Willkommen daheim!

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Donnerstag, 23. August 2018

quote unquote: Shoreline, Old Lake Iroquois




Native Writers & Canadian Writing. Spec. issue of Canadian Literature 124-125 (Spring/Summer 1990): S. 91.

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Freitag, 25. Mai 2018

quote unquote: The Last Detail

GIRL
Well, how’d you feel about going to Vietnam?

MULE
- the man says go, we got to do what the man says. We livin’ in this man’s world.

The girl shakes her head.

GIRL
(softly)
Oh, baby.



Robert Towne, The Last Detail (Drehbuch)

Mittwoch, 23. Mai 2018

quote unquote: Die Konsumgesellschaft

Über die Kultur 

Was die Konsumgesellschaft auszeichnet, ist nämlich nicht das beklagte Fehlen von Zeremonien: Eine hiervon ist die Quizsendung, die diesen zeremoniellen Status für sich mit demselben Recht beanspruchen kann wie die katholische Messe oder auch das Opferfest der primitiven Gesellschaft. Doch vermittelt sich hier die zeremonielle Kommunion nicht mehr über Brot und Wein, die Fleisch und Blut sein sollen, sondern über die Massenmedien (hierzu gehören nicht nur die gesendeten Botschaften, sondern auch die Sendeanlagen mit dem Netzwerk und dem Sender, die Empfangsgeräte sowie selbstverständlich auch die Produzenten und das Publikum). Mit anderen Worten: Die Kommunion vollzieht sich nicht mehr über ein symbolisches, sondern über ein technisches Medium – und wird hierdurch zur „Kommunikation“.
Was man dann miteinander teilt, ist nicht mehr eine „Kultur“, nicht mehr ein lebendiger Körper, die unmittelbare Gegenwart der Gruppe (all das, was die Symbol- und Verwandlungsfunktion des Zeremoniells und des Festes ausmachte), es ist nicht einmal mehr ein Wissen im eigentlichen Sinn, vielmehr ist es dieses seltsame Korpus von Zeichen und Bezügen, von Reminiszenzen aus Schultagen und intellektuellen Modesignalen, das man „Massenkultur“ nennt und im Sinne des kleinsten gemeinsamen Nenners in der Arithmetik kgK (kleinste gemeinsame Kultur) nennen könnte – im Sinne auch des „Standard Package“, das die kleinste gemeinsame Sammlung von Objekten bezeichnet, deren Besitz der durchschnittliche Konsument sich schuldet, wenn er Zugang zu dieser Konsumgesellschaft erhalten und darin die Bürgerrechte erwerben will – entsprechend definiert die kgK die kleinste gemeinsame Sammlung an „wichtigen Antworten“, die das durchschnittliche Individuum parat haben sollte, um das Diplom des Kulturbürgers zu erwerben.
Die Massenkommunikation schließt Kultur und Wissen aus. Dass sie echte symbolische oder didaktische Prozesse in Gang setzen könnte, steht nicht zur Debatte, denn dies würde die kollektive Beteiligung, den Sinn dieser Zeremonie gefährden – eine Beteiligung, die ihre Erfüllung nur in einer Liturgie finden kann, in einem formellen Code von Zeichen, die gewissenhaft von jeglichem Sinngehalt entleert wurden.


Über die Massenmedien 

Die Wahrheit der Massenmedien ist demnach in ihrer Funktion zu suchen, den erlebten, einzigartigen, ereignishaften Charakter der Welt zu neutralisieren, um an seine Stelle ein vielgestaltiges Universum von Medien zu setzen, die als solche gleichartig sind, einander wechselseitig signifizieren und aufeinander verweisen. Zu guter Letzt werden sie füreinander zum Inhalt – und dies genau ist die totalitäre Botschaft einer Konsumgesellschaft.
Transportiert wird vom Medium Fernsehen – und zwar durch seine technische Organisation – die Idee (die Ideologie) einer Welt, die gnadenlos visualisierbar, gnadenlos segmengtierbar und in Form von Bildern lesbar sei. Dieses Medium befördert die Ideologie von der Allmacht eines Lesesystems gegenüber einer Welt, die zum Zeichensystem geworden ist. Die Fernsehbilder präsentieren sich als Metasprache einer abwesenden Welt. Wie das geringste technische Objekt und das lächerlichste Gadget eine universelle technische Himmelfahrt verheißen, maßen sich die Bilder/Zeichen an, eine erschöpfende Vorstellung der Welt zu vermitteln, das totale Aufgehen der realen Welt im Bild zu bewerkstelligen, das dann so etwas wie ihr Speicher wäre, ihr universelles Lesegerät. Im Hintergrund des „Bilderkonsums“ zeichnet sich der Imperialismus eines Lesesystems ab: In zunehmendem Maße kommt es dazu, dass nur noch das existiert, was gelesen werden kann (und gelesen werden muss, das „Legendäre“ also im exakten Wortsinn). Und damit wird nicht mehr die Wahrheit der Welt oder ihre Geschichte zur Debatte stehen, sondern einzig noch die innere Kohärenz jenes Lesesystems. Ein jedes Medium zwingt dann einer verworrenen, konflikthaften, widersprüchlichen Welt seine abstraktere, kohärentere Logik auf, zwingt sich uns als Medium auf, das, um mit McLuhan zu sprechen, selbst die Botschaft ist.


Über die Toleranz

Auf dieselbe Weise stellt sich das Problem der „Tolaranz“ (Liberalismus, Laxheit, „permissive society“ usw.). Dass heute ehemalige Todfeinde miteinander reden, dass diametral entgegen gesetzte Ideologien den „Dialog“ suchen, dass sich eine Art friedlicher Koexistenz auf allen Ebenen breit macht und die moralischen Gebote an Schärfe verlieren, all dies bedeutet keineswegs irgendeinen „humanistischen“ Fortschritt in den zwischenmenschlichen Beziehungen, keineswegs ein besseres Verständnis der Probleme oder welchen Firlefanz auch sonst. Da die Ideologien, Meinungen, Tugenden und Laster am Ende nur noch Gegenstand von Tausch und Konsum sind, bedeutet dies ganz einfach nur, dass alles noch so Gegensätzliche im Spiel der Zeichen denselben Wert hat. In diesem Kontext ist Toleranz nicht länger ein psychologisches Merkmal, ebenso wenig ist sie eine Tugend: Sie ist eine Modalität des Systems selbst. Sie ist so wie die Dehnbarkeit, die totale Kompatibilität der Begriffe in der Mode: Lange Röcke und Miniröcke „tolerieren“ sich sehr gut (im Übrigen signifizieren sie nichts, was über ihren Bezug zueinander hinausginge).


Über Social Media (verfasst 1970)

Die Konsumgesellschaft ist gleichzeitig eine Gesellschaft der Güterproduktion und der beschleunigten Produktion von Beziehungen. Charakterisiert ist sie vor allem durch letzteren Aspekt. Diese Produktion von Beziehungen, die auf der Ebene der Intersubjektivität oder der Primärgruppen noch handwerklichen Charakter trägt, zeigt jedoch die Tendenz, sich der Produktionsweise materieller Güter nach und nach anzugleichen, das heißt der generalisierten industriellen Produktionsweise. Damit wird sie zur Angelegenheit, wenn nicht zum Monopol spezialisierter (privater oder staatlicher) Unternehmen, zu deren gesellschaftlichem und kommerziellem Daseinsgrund. Noch fällt es schwer, die Konsequenzen dieser Entwicklung vorherzusagen: Es fällt schwer, sich damit abzufinden, dass (menschliche, soziale, politische) Beziehungen auf dieselbe Weise hergestellt werden wie die Objekte und dass sie ab dem Augenblick, wo sie auf dieselbe Weise hergestellt wurden, auch auf dieselbe Weise ein Konsumobjekt sind. Gleichwohl ist dies die Wahrheit, wobei wir uns allerdings erst am Beginn eines langen Prozesses befinden.


Jean Baudrillard, Die Konsumgesellschaft (Deutsch bei Springer VS) 

Samstag, 14. April 2018

quote unquote: Der kleine Mann von Archangelsk


„Glauben Sie nicht, Sie wären hier glücklich?“
Da gab sie ihre freimütigste Antwort:
„Jedenfalls hätte ich meine Ruhe.“
„Das ist immerhin etwas, nicht wahr?“
„Sicher. Nur: wenn's zwischen uns beiden nicht klappt? Sprechen wir nicht mehr davon. Ich bin nicht das Mädchen, das einen Mann wie Sie glücklich machen kann.“
„Auf mich kommt es nicht an.“



Man hatte ihn nicht verstanden oder er hatte die andern nicht verstanden, und dieses Mißverständnis hatte nun keine Aussicht mehr, je geklärt zu werden.
Einen Augenblick überkam ihn die Lust, sich in einem Brief zu erklären; aber das war nur eine letzte Eitelkeit, deren er sich schämte und auf die er verzichtete.


Der kleine Mann von Archangelsk von Georges Simenon (Deutsch bei Diogenes)

Sonntag, 1. April 2018

Ein Film von Mike Figgis - Liebestraum (1991)


Liebestraum ist ein Film von Mike Figgis, der mich komplett unvorbereitet traf. Ein schwer fassbares, faszinierendes Werk. Mystery, Noir, Romanze, Thriller in einem und doch ganz eigen, an manchen Stellen sogar außerordentlich lynchesk. Das leicht gedehnte Erzähltempo funktioniert hervorragend und lässt einen die vielen intimen Momente genießen, die die Kamera einfängt und die Montage abrundet. Die Geschichte eines historischen Gebäudes, das vorm Abriss steht und dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit beherbergt, hätte auch alle Zutaten für einen italienischen Giallo. Doch der Film macht mehrere Metamorphosen durch. Er beginnt als Film Noir, entwickelt sich zu einem Geisterfilm, der sich in eine Romanze verwandelt, die am Ende wieder eine bedrohlich somnambule Qualität erreicht.

Erfolgreich war der Film freilich nicht. Nach dem Achtungserfolg von Figgis' Internal Affairs blieb er in jedem Fall hinter den Erwartungen zurück. Auch die Kritiker taten sich schwer. Roger Ebert schrieb damals: „Anderson, as the hero, is asked to do too much introspective brooding for any one actor. Pullman, as the villain, lacks hatefulness and edge. Gidley, as the heroine whose past contains her fate, is in one of those roles that has no dimension except as an element of the plot.“
Eine treffende Demonstration amerikanischer Besessenheit von pedantischer inhaltlicher Ausformulierung. Wenn Schauspieler nicht genug machen („machen“ ist hier das Zauberwort, denn die Charaktere müssen immer etwas machen, um „den Plot voranzutreiben“) oder sagen, wird sofort ein „lack of character“ diagnostiziert. Und ein generischer Thriller wie Kenneth Branaghs Dead Again, der zeitgleich mit Liebestraum erschien, gilt als gelungener, weil er wie ein Zirkusaffe seinen Drehbuchkapriolen folgt und wir alle uns daran erfreuen.
Ebert zieht folgendes Resümee: „Figgis, who shows once again that he is a visual master, is guilty of a screenplay that is all twists and no substance.” Ein ähnliches Fazit aus der Variety-Kritik: „Figgis’ problem here is the confused script, which doesn’t seem to have a point.” Das alte style-over-substance-Argument schließt den Fall ab und wir können alle beruhigt nachhause gehen.
Aber was, wenn die substance im style verborgen liegt? Was, wenn der Film mit seinen ästhetischen Strategien mehr zu den Achtziger Jahren gehört als zu den pragmatischeren Neunzigern? Was, wenn die Charaktere nicht aus dem bestehen, was sie sagen, sondern aus ihren Pausen, ihren Blicken und ihren Silhouetten, die uns aus den Schatten heraus ihre Geheimnisse zuflüstern? Was ist, wenn Mike Figgis uns die Noten hören lässt, die nicht gespielt werden? 

Hier geht’s zu meiner Filmbesprechung