Willkommen daheim!

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Freitag, 8. Mai 2015

Mein kleines goEast 2015

Der rote Kakadu ©goEast

Vor wenigen Wochen ist das fünfzehnte goEast-Filmfestival in Wiesbaden zu Ende gegangen. Aufgrund diverser Verpflichtungen konnte ich nicht alles mitnehmen, aber dafür war ich zum Beispiel bei der feierlichen Eröffnung und habe zwei tolle, aber sehr düstere Filme von Zvonimir Jurić gesehen. Einerseits muss man das nicht gut finden. Schon wieder wird man mit osteuropäischem Kino belästigt, dass uns mit für westliche Verhältnisse unzumutbaren Zuständen konfrontiert. Lokalfilmischer Elendstourismus, geeignet als Arthaus-Exploitation für saturierte westliche Gutmenschen, die sich mit Recht über die kroatischen Verhältnisse echauffieren, sie aber gleichzeitig auch aus der Ferne genießen können. Etwas überspitzt formuliert, aber da ist ja auch was dran.
Doch als ich mit den beiden Filmen im dunklen Kinosaal alleingelassen wurde, war ich persönlich ganz woanders. Ich war nicht in Kroatien, auch nicht in Deutschland, sondern an einem Ort, den es mit etwas Glück gar nicht gibt. 

Der achte Wochentag ©goEast

Eine weitere Entdeckung fand auf dem von Olaf Möller betreuten Artur Brauner-Symposium statt: der Regisseur Aleksander Ford. Ford, einer der "Architekten des volkspolnischen Films" (Möller) wurde, obwohl überzeugter Kommunist, irgendwann zu unbequem für die Oberen und sah sich gezwungen das Land 1968 zu verlassen. Es folgte eine lange Zeit der Emigration und Heimatsuche, die ihn nach Israel, Dänemark und schließlich in die Vereinigten Staaten führte, wo er sich 1980 das Leben nahm
Der achte Wochentag, die erste deutsch-polnische Koproduktion, wurde bei der Premiere 1958 von beiden Seiten gemieden, in Polen wurde der Film sogar für ein Vierteljahrhundert verboten. Der Film selbst ist unsagbar trist, ein Stück für den Hofbauerkongress, bestens geeignet für ein Double Feature mit Der Perser und die Schwedin. Ein Film über eine aufrichtige, aber schwierige Liebe. Eine Liebe, die die Aenwelt massiv erschwert, da sie von alkoholisierten Zynikern, besiegten Träumern und grauen Alltagssoldaten beherrscht wird. 

Der erste Kreis ©goEast

Der zweite Ford, den ich gesehen habe, war Der erste Kreis, eine Solschenizyn-Verfilmung, die bei der Kritik damals durchgefallen ist, weil, so Olaf Möller, der Film permanent an dem großen Schriftsteller gemessen wurde. Das Werk selbst krank an einem ziemlich unterirdischen englischen Dub und einer Darstellung von Stalin, die an diejenige von George Steinbrenner in Seinfeld erinnert. Dennoch ist Der erste Kreis ein extrem interessanter Film, der mit Gunther Malzacher einen großartigen deutschen Hauptdarsteller hat, dem man seine Melancholie und überhaput sein "Russisch-sein" komplett abnimmt.

Flucht in die Sonne ©goEast

Ein weiteres Kleinod war Menahem Golans Flucht in die Sonne, der mit Dominik Grafs Der rote Kakadu eine weitere interessante Doppelvorstellung ergäbe. In beiden Filmen geht es um die Sehnsucht nacht Flucht, nach Freiheit, um rigide politische Systeme und geradezu episch aufbereitete Liebesgeschichten. Und selbstverständlich sind beide Filme extrem stilisiert und bieten nicht unbedingt eine streng realistische, faktische Chronologie der Ereignisse, sondern reines Kino: emotional, effektreich, gewaltig. Dennoch erzählen Graf und Golan im Grunde dieselbe intime Geschichte einer unglücklichen Dreiecksverbindung zwischen Privatem und Politischen. Leise Themen, groß ausgespielt.
Aber ich bin froh, dass Menahem Golan kein Politiker, sondern Filmemacher geworden ist, andernfalls wäre die Welt ein noch chaotischerer Ort als jetzt, wenn das überhaupt möglich ist. 

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