Willkommen daheim!

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Dienstag, 13. Januar 2015

Francesco Rosi (1922-2015)


Mit Francesco Rosi ist der letzte der großen italienischen Regisseure verstorben, die sich mit Vorliebe dem Politthriller gewidmet haben. Als Post-Neorealist hat Rosi stets versucht, die komplexen politischen Zusammenhänge, die in seinem Land seit Ende des 2. Weltkriegs bestehen, zu analysieren und aufzuzeigen.

Dass seine bekanntesten Filme, wie „Salvatore Giualiano“, „Hände über der Stadt“, „Der Fall Mattei“, und „Lucky Luciano“ sich nicht als spannende Reißer präsentiert haben, sondern als ultra-nüchterne, brütende, enigmatische Untersuchungen, deren Ausgang meist offen blieb, hat den deutschen Kritikern immer gefallen. Unterhaltung ist ja quasi Faschismus, also hat man die anderen interessanten Regisseure des Politthrillers wie Elio Petri und Damiano Damiani gerne links liegen gelassen. Das war überaus unfair, denn gerade diese Beiden bieten eine großartige Ergänzung zu dem sachlichen Naturalismus von Rosi. Aber das nur am Rande. Rosis Kino ist selbstverständlich großartig, aber schwer zugänglich, wenn man die italienische Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht kennt.

Hilfreich sind die wunderbar kenntnisreichen Texte von Udo Rotenberg, der sich auf seinem Blog mit dem italienischen Kino auseinandersetzt. Seine Rezensionen kontextualisieren die Filme und sind eine gute Grundlage für weiterführende Lektüre.

Nach „Die Macht und ihr Preis“ hat Rosi, auch das muss man erwähnen, seinen Stil erweitert und einen poetischen Zugang zu seinen Themen, auch mithilfe von Autor Tonino Guerra, gefunden. Ich hatte das Glück, eine 35mm-Kopie seiner Márquez-Adaption „Chronik eines angekündigten Todes“ zu sehen, die zwar noch Anklänge an den investigativen Kriminalfilm hat, aber sich zu einer wunderschön fotografierten Elegie entfaltet, die beweist, dass Rosi keineswegs ein kalter Analytiker war, sondern ein ebenso ausgeprägtes Gespür für Emotion und Dramatik hatte. 

Francesco Rosi wird uns fehlen.



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