Willkommen daheim!

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Samstag, 8. November 2014

Maps to the Stars


Ich möchte folgende Begriffe im Zusammenhang mit diesem Film nicht mehr sehen oder hören: "bitterböse Satire", "Hollywoodsatire", "Abgründe der Traumfabrik", "Kulissen der Glitzerwelt", "der Traumfabrik den Spiegel vorhalten", "Abrechnung mit der Unterhaltungsindustrie", "falsche Fassade", "schöner Schein", etc. 

Das hat man in Kritiken viel zu oft gelesen. Welche Begriffe man dagegen nicht so oft gelesen hat: "Bruce Wagner", "Douglas Sirk", "Melodram", "F. Scott Fitzgerald". 

Bruce Wagner, der Autor von "Maps to the Stars" ist in Deutschland eher ein Unbekannter. Nur sein Roman "The Chrysanthemum Palace" wurde ins Deutsche übersetzt. Doch Deutsch ist ohnehin nicht die Sprache, in der man Wagner lesen sollte. Seine romantisch melancholische Prosa orientiert sich stark an Fitzgerald, dessen legitimer Nachfolger er wahrscheinlich ist. 

Klar ist Wagner manchmal unfassbar böse, watet in den Niederungen des Menschseins und hat auch noch Spaß dabei. Doch er ist kein Zyniker. Er tut nur so, als wäre er einer. Das merkt man auch einem Film wie "Maps to the Stars" an. Der Zynismus ist die hübsche Verpackung, die dem abgeklärten Publikum zum Fraß vorgeworfen wird. Dahinter jedoch steckt eine tragikomische Schwere. 

David Cronenberg weiß das. Er und der ehemalige Chauffeur kennen sich schon länger, hat er doch Wagners ersten Film "I'm losing you" produziert, ein wunderbares Melodram, das es leider nie nach Deutschland geschafft hat (kleiner Tipp: die amerikanische DVD ist codefree). 

Auch der ehemalige Roger Corman-Kollaborateur Paul Bartel hat vor über 20 Jahren ein Skript von Wagner verfilmt: "Scenes from the Class Struggle in Beverly Hills" ist ein vergnüglicher, aber unter der Oberfläche gefährlich flackender Liebesreigen, der sich übrigens gut für ein Double Feature mit "Maps to the Stars" eignet. 

Und auch wenn ich "Maps to the Stars" seine satirischen Eigenschaften nicht absprechen will, Wagner tut es:

"Contrary to critics’ easy characterisation, it doesn’t have a satirical bone in its elegiac, messy, hysterical body. I’ve given you the lay of the land as I see it, saw it, and lived it. Maps is the saga of a doomed actress, haunted by the spectre of her legendary mother; of a child star ruined by early celebrity, fallen prey to addiction and the hallucination of phantoms; of the mutilation, both real and metaphorical, sometimes caused by fame and its attendants – riches, shame and nightmare. I see our movie as a ghost play, not a satire." (Wagner im Guardian)

Bruce Wagner ist in Los Angeles aufgewachsen, inmitten dem ganzen Irrsinn von Glamour, Hustling und Verzweiflung. Er war dabei. Robert Pattinsons Figur Jerome ist sein Alter Ego. Aber die unverhohlenste Abrechnung mit sich selbst liefert Wagner in seinem Debütroman "Force Majeure": purer Nihilismus, kein Buch um sich danach besser zu fühlen. Aber echter Ausdruck, echte Verzweiflung, mit klebriger Selbstironie überzogen: "To stay sane, I began writing fiction, creating the alter ego of a failed chauffeur-screenwriter, Bud Wiggins." (ebenda

Ich kann euch diesen Autor nur ans Herz legen. Gerade eben weil er nicht nur Hollywood-Gossip verzapft, sondern Geschichten, die berühren. Auf brutalste Art und Weise. 

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