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Montag, 11. August 2014

Men of Crisis – The Harvey Wallinger Story


Anfang der Siebziger Jahre haben viele Schriftsteller und Künstler gegen Richard Nixons Innen- und Außenpolitik gewettert, und waren dabei stellenweise erstaunlich harsch. Philip Roth schrieb den Roman „Our Gang“, Gore Vidal schrieb das Stück „An Evening with Richard Nixon“, und der beste Dokumentarfilmer des Landes, Emile de Antonio, machte 1971 „Millhouse: A White Comedy“, eine Dekonstruktion in Selbstzeugnissen. Im selben Jahr drehte Woody Allen ein Fernsehspecial für PBS mit dem ursprünglichen Titel „The Politics of Woody Allen“, das aber kurz vor der Ausstrahlung zurückgezogen wurde.
Heute ist der Film unter dem Titel „Men of Crisis – The Harvey Wallinger Story“ bekannt, eine halbstündige Mockumentary, in dem Allen einen Politiker spielt, der in vielerlei Hinsicht auf Henry Kissinger verweist. 

 
Nachdem ich den Film gesehen habe, war ich über die Entscheidung der PBS nicht mehr überrascht. Den Film polemisch zu nennen, wäre eine Untertreibung. Nicht nur die damalige Regierung kriegt ihr Fett weg, sondern auch demokratische Gegenspieler wie Hubert Humphrey und George Wallace. Allen portraitiert die Säulenheiligen der amerikanischen Politik ohne jeglichen Respekt, aber mit Verve, sowie einer wahnwitzigen Geschwindigkeit, die an die frühen Marx Brothers erinnert.
Men of Crisis“ ist noch mehr im pseudodokumentarischen Stil gehalten als Allens erster Regiefilm „Take the Money and run“. Man könnte sagen, er hat sich mit diesem kleinen Fernsehfilm auf „Zelig“ vorbereitet.

For Secretary of Defense he chooses Melvin Laird. Laird also has a plan to end the Vietnamese War, so complicated that only two people in the world understand it, and neither one of them is Laird.“

Statt Kissinger holt Nixon seinen alten Freund Harvey Wallinger mit in die Regierung, der für seine sexuellen Eskapaden berüchtigt ist. Seine erste Freundin (gespielt von Louise Lasser) erinnert sich:

I dated him. He was, like, one of my first major boyfriends. He was like the first person, you know, I ever slept with or anything.“

How did you find it?“

It was a mistake.“ 

 
Eine Nonne hingegen erinnert sich nur allzu gern an ihre, sagen wir, Begegnung mit Wallinger („He was sexy!“). Selbst Nixons Ehefrau wollte sich mit ihm einlassen, doch dazu war der Absolvent der John Dillinger-High School (!) natürlich viel zu anständig.
Als junger aufstrebender Anwalt war er ein Mitglied von Senator Joe McCarthys Kommunistenjagd, und ist durch seine provokativen Fragen aufgefallen („Were you ever a member of the Boy Scouts of America?“).
Wallinger hatte niemals Angst die Wahrheit beim Namen zu nennen: „Abraham Lincoln was a Jew. That’s the truth. He went to Hebrew school, his name was Abe Trockman!“
Kurz nach seiner Niederlage gegen Kennedy, verließ Nixon das Feld der Politik für eine Weile. Wallinger ließ sich scheiden. Seine Frau (Diane Keaton) konnte es nicht verkraften, dass Wallinger sie mit einer Demokratin betrogen hat.
Wallinger dazu: „Sex is a very capricious thing, you know? Sometimes I feel like making love to a democrat, sometimes I feel like making love to a republican, you know? Generally, I try and wait, and see what the Russians do first.“ 

Die dynamischen Drei: Agnew, Nixon, Wallinger.
 
1968 kommt Nixon zurück, wird Präsident, und holt Wallinger als engen Vertrauten wieder mit ins Boot. Geschichte wird gemacht:

We decided to bomb Laos because we were not happy with they way it was spelled.“

Persönlich finde ich es schade, dass Allen sich nach seinen ersten anarchischen Filmen gänzlich von der Politik zurückgezogen hat, und im Privaten versumpft ist. Seine Groucho Marx-Attitüde hat er sich längst abgewöhnt. Jedoch ist sein Nixon-Film vor dem Watergate-Skandal und der Verleihung des Friedensnobelpreises an Kissinger (und Le Duc Tho, der klugerweise verzichtete) entstanden, Ereignisse, die die Grenzen der Satire mehrmals gesprengt hätten. Was soll man auch machen, wenn die Realität sich selbst karikiert? 

Tricky Dick, nie um eine Antwort verlegen
 

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