Willkommen daheim!

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Dienstag, 31. März 2020

Die Poesie automatisch generierter Untertitel - Teil 3



Manchmal ist es erst die Sichtbarmachung des Textes, die den Metatext eines Kunstwerks offenbart. So auch in diesem Fall. Für die vorerst letzte Episode dieser Reihe über moderne Lyrik und ihre audiovisuelle Deskription habe ich ein weiteres Werk von Post Malone ausgesucht - es trägt den überraschend enthusiastischen Titel Wow. Im Vergleich zu White Iverson ist hier die dadaistische Sprache Ausdruck einer emphatischen Feier des Lebens. "Ich habe viele Spielsachen", sagt Post Malone (der, der nach Malone kommt) zum stets verdutzt dreinschauenden DJ Khaled, als wolle er sagen, dass ihm eine große Auswahl an rhetorischem Werkzeug zur Verfügung stehe, um seine komplexen Gefühle der Welt mitzuteilen. Vielleicht stellt diese Zeile aber auch eine kryptische Nachricht dar, die ihre eigene Verschleierung gleich mit kommuniziert. So kann Wow natürlich als Euphorie gelesen werden, aber genauso als Akronym. Doch wofür steht es genau? Workers of the World? Oder vielleicht eher Wider Opportunities for Women? Das würde der Zeile "Verwandle den Küchentisch in einen Stripclub (ja, wow)" eine ganz neue Wendung geben.

Hinweis: Die expressive Übersetzung hat Youtube zu verantworten. Ich mache nur freundlicherweise darauf aufmerksam.

Mittwoch, 25. März 2020

Die Poesie automatisch generierter Untertitel - Teil 2





Manchmal ist es erst die Sichtbarmachung des Textes, die den Metatext eines Kunstwerks offenbart. So auch in diesem Fall. Ein brütendes Musikvideo von Post Malone mit dem enigmatischen Titel White Iverson ist ein verheerendes Selbstgespräch in einer kargen Beckett'schen Wüste (überhaupt: Der Sänger lehnt sich ganz klar an Samuel Becketts Roman Malone stirbt an): ein schwindelerregend um sich selbst kreisender Monolog, der mithilfe der automatisch generierten Untertitel von Youtube zu einer literarischen Rückkopplungsschleife wird, die keine sinnhaften Rückschlüsse mehr zulässt. Wenn Post Malone (der, der nach Malone kommt) am Ende resümiert: "Ich bin die Antwort - frage niemals", so wird so manchem Leser ein kalter Schauer über den Rücken laufen. Der, der nach Malone kommt, hätte niemals kommen dürfen. Denn hier ist nichts mehr.

Hinweis: Die expressive Übersetzung hat Youtube zu verantworten. Ich mache nur freundlicherweise darauf aufmerksam.

Dienstag, 24. März 2020

Die Poesie automatisch generierter Untertitel - Teil 1




Manchmal ist es erst die Sichtbarmachung des Textes, die den Metatext eines Kunstwerks offenbart. So auch in diesem Fall. Ein unscheinbares Musikvideo des Barden Justin Bieber zum Lied Yummy wird mithilfe automatisch generierter Untertitel zu einer lyrischen Entdeckungsreise voller zügelloser Sinnlichkeit, sexueller Widersprüche und verzweifelter Sprachlosigkeit. 

Hinweis: Die expressive Übersetzung hat Youtube zu verantworten. Ich mache nur freundlicherweise darauf aufmerksam. 

Donnerstag, 5. September 2019

quote unquote: Die Toten vom Djatlow-Pass

Man kann nicht die Hälfte von Rakitins Ausgangsdaten hernehmen und sie beliebig neu zusammensetzen. Dabei kommt nur dummes Zeug heraus. (S. 293)

Rakitin wird in allen Foren besprochen, mit Rakitins Zitaten beginnen und enden alle Debatten (...). (S. 296)

Es existieren inzwischen bereits vier Versionen dieser Theorie, aber einen Sinn ergibt keine von ihnen. Das ist natürlich schlimm, doch es hat nichts mit der Djatlow-Tragödie oder Rakitin zu tun. Das Problem ist die Naivität und Ignoranz der Autoren selbst, doch dabei kann ihnen niemand helfen. (S. 296)


Aleksei Rakitin: Die Toten vom Djatlow-Pass. Eines der letzten Geheimnisse des Kalten Krieges (Deutsch bei btb).